Wie du achtsam mit deinen Gefühlen umgehen kannst (und dabei jede Menge über dich erfährst)

Heute möchte ich dich auf eine Reise einladen.
Geht ganz schnell und vielleicht hast du sie auch schonmal gemacht. Es ist die Reise von Freude nach Schlechtfühlen. Und das alles in Sekundenschnelle.
Mangel und Traurigkeit sollen uns hier als Beispiel dienen.  

Uns selber in ein ungeliebtes Gefühl zu manövrieren, geht ganz einfach. 

Die folgende Geschichte erzählte mir eine Klientin. Ich darf sie mit dir teilen, weil es so gut tut, wenn wir wissen, dass es auch anderen manchmal so geht wie uns.

Gerade eben war noch alles schön.
Sie saß auf dem Sofa, sah in die Kerze und genoss das Gefühl, mit sich  alleine zu sein.  
Da schießt ihr ein Gedanke durch den Kopf: “Eigentlich sollte ich jetzt nicht alleine sein.” Bäm.

Ersetze gerne mit deinem “Eigentlich…”, dann kannst du die Reise besser mitmachen. 
So kannst du dir auch noch besser vorstellen, was mit ihrer Freude in dem Moment passierte. Die verkroch sich unter den Teppich. 

Wir alle kennen sie: Die Momente, in denen wir denken, es reicht nicht. Das, was wir haben, reicht einfach nicht. 

Das, was wir erleben, reicht nicht.
Das, was wir bekommen, reicht nicht.
Das, was wir geben, reicht nicht.

Plötzlich sehen wir um uns herum Mangel.
Unser Blick wird eng. Wir sehen und fühlen das, was wir nicht haben. Unsere Gedanken kreisen: “Wieso habe ich das nicht?”

Keiner möchte lange in solch einem Gefühl sein.
Deshalb suchen wir Ablenkung, statt uns mit dem, was ist, zu beschäftigen..
Wo findest du deine Ablenkung?

Wir suchen uns etwas, von dem unser System weiß, dass wir sofort ein paar gute Gefühle geliefert bekommen. Der Griff zum Handy erfolgt automatisch und unser Kopf hat auch schon eine logische Erklärung parat: 

“Nur mal schnell ein paar hübsche Bilder ansehen.” “Nur mal eben lesen, wie es xy heute geht.”
Meine Klientin entschied sich für Instagram. Das ist die nächste Etappe auf unserer Reise.
(Wenn du nicht auf Instagram bist, geh einfach auf eine Seite, auf der Menschen darüber schreiben, wie erfolgreich ihr Leben ist – egal in welcher Hinsicht.) 

Es kann schwer sein, uns zutiefst über den Reichtum von anderen zu freuen, wenn wir selber gerade im Mangel unterwegs sind.

Eigentlich wissen wir es schon: 
Danach wird es uns nicht besser gehen.

Wir können sogar sicher sein, dass da jemand noch eins obendrauf packt. Und zwar passend zu unserem Thema.

Zum Beispiel so:
Das erste, was du angezeigt bekommst, ist die entfernte Bekannte im neuen Outfit (Das Kleid, in das du dich letzte Woche verliebt hattest, hast du ganz vernünftig zurück an den Ständer gehängt.), die völlig Unbekannte, die voller Begeisterung über ihren Traumjob schreibt, den sie ergattert hat (dir fällt in deinem gerade die Langeweile auf die Füße), die Freundin, die am Strand liegt in der Sonne unter blauem Himmel (du warst seit Jahren nicht im Urlaub), oder eben eine Frau glücklich in den Armen ihres Mannes (genau….). 

Was jetzt sehr wahrscheinlich passiert, ist spannend – zumindest von Außen gesehen.
Wenn wir selber uns in diesem Zustand befinden, ist es eher, na ja… ungemütlich…

Können wir, die Reisenden, uns jetzt in unserem tiefsten Inneren über das Glück der anderen freuen? 

Wahrscheinlicher ist, dass da ein neues Gefühl in uns nagt.
Traurigkeit. Neid. Missgunst. Vielleicht auch Wut
Uaaahhh. 
Eine neue Stimme meldet sich in unserem Kopf:
“Igitt! Du bist doch wohl nicht etwa neidisch?! 
Neid geht gar nicht!!! Das ist wirklich ganz niedrig.” “Traurigkeit ist selbstgemacht. Die muss weg!” 

Könnte sein, dass wir jetzt damit beschäftigt sind, diese Stimme in uns zu bändigen. 

Prima, das hätten wir geschafft: Wir sind von der Freude über den Mangel in einen weiteren unangenehmen Gefühlszustand gereist und haben unsere inneren Kritiker gleich mit an Bord genommen. 

Das Gefühl des Mangels wird jetzt ergänzt von einem inneren Kampf-Dialog über ein Gefühl, das wir uns nicht erlauben. 

Und jetzt? 

Was können wir jetzt tun, damit es uns besser geht?  

In meinen Coachings arbeite ich viel mit Körperwahrnehmungen.

Ich möchte dich, da ja ich diejenige war, die dich auf diese Reise eingeladen hat, nicht einfach hier stehen lassen, sondern dir auch verraten, wie du jetzt zurück in ein gutes Gefühl kommen kannst. 

Eins ist sicher: Dein Kopf hilft dir hier erstmal nicht weiter. In diesem Zustand ist uns klares Denken meist verwährt.

Was du jetzt brauchst, ist Achtsamkeit. Und Bewegung.

  • Zunächst einmal ist es wichtig, dass du das, was da ist, anerkennst. Vielleicht schaffst du es sogar, das Gefühl zu würdigen: “Danke.”
    Versuche nicht, es “weg zu machen”. Das wird nicht funktionieren, denn alles, wogegen wir in uns kämpfen, wird größer.
    (Jedes Gefühl hat eine Botschaft. Wie du sie erfahren kannst, erzähle ich dir an anderer Stelle.) 
  • Sei dabei neugierig auf dich selber. Du kannst dir zum Beispiel sagen: “Aha! Ich bin gerade neidisch.” “Aha! Ich fühle mich gerade nicht genug.” “Aha, da ist wieder die Traurigkeit.”
  • In einem Coaching würde ich dich anleiten, in dich hineinzuspüren: Wo sitzt dieser Neid? Wo der Mangel? Danach würdest du das Gefühl direkt fragen können: ” Was möchtest du mir sagen?” Es kommt eine Antwort. Immer. 
  • Wenn du damit nicht vertraut bist, kannst du auch einfach die Augen schließen und atmen. Schau, was dann kommt. Und wenn nichts kommt, ist es auch gut. 
  • Atme weiter. Konzentriere dich auf dein Einatmen – auf zwei – und auf dein Ausatmen – auf vier. (Länger aus- als einzuatmen, hat eine tief beruhigende Wirkung.)
  • Stehe auf und bewege dich. Schüttel dich ein wenig. Oder ganz heftig. Mach es so, wie es dir gut tut. 
  • Trinke ein Glas Wasser und genieße jeden Schluck bewusst.
  • Verführe deine Sinne. Gibt es z.B. eine Frucht, deren Duft, du besonders magst und an der du jetzt schnuppern kannst?
  • Geh in die Natur. Tauche in ihre Fülle von Klängen und Düften ein. 

Das Bewegen hilft dir, Stresshormone abzubauen und wieder bei dir anzukommen.

Dann ist auch Denken wieder möglich und du kannst das, was du eben erlebt hast, nutzen, um dich besser kennenzulernen.
Stelle dir jetzt die richtigen, lösungsorientierten Fragen. 

Welche Fragen das sein könnten, teile ich in einem anderen Post mit dir. 
Kleiner Hinweis: “Wieso habe ich das nicht?” (siehe oben) wäre die falsche Frage 😉 

Ich wünsche dir, dass du deine Gefühle annehmen kannst – auch die ungeliebten.

Was hast du auf dieser kleinen Reise erlebt?
Ich freue mich, von dir zu lesen.

Deine Kathrin
#glücküberzweifel
#momentesucherin

 

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