Achtsamkeit mit dem Handy – Sonnenuntergang in Grignan

 

Ohhhh, la belle vie, sans souci, sans problème, oui, la belle vie, on est seule, on est libre… – Sasha Distel

Grignan im Oktober 2018

Schnell den Einkauf ins Haus bringen. Bloß kein Gespräch unterwegs. Sonst ist es zu spät. Tür auf, Tüten rein, Tür zu. “Lotte komm,” locke ich meinen Hund, “wir rennen zum Sonnenuntergang!”

Das Schloß von Grignan ist eine Minute von unserem kleinen Häuschen entfernt. Den Hang nach oben, wie oft haben wir ihn schon genommen in den Tagen, Wochen, seitdem wir hier sind?
Dort oben erwartet uns Magie.
Jeden Morgen, jeden Abend. Und ganz besonders zur Zeit des Sonnenuntergangs. Dieses Licht!
Die Sonnenuntergans-Bank ist frei. Kein Mensch hier.

Meine Kamera liegt im Haus; ich möchte nicht überlegen müssen, um den wie ich den Sonnenuntergang jetzt am schönsten festhalten kann.

Ich möchte einfach nur dasitzen und staunen.

Ich möchte einfach dasitzen und staunen. (Lotte staunt auch, aber anders. Da hinten ist eine Katze unterwegs.)
Bin sogar ein bisschen froh, alleine hier sitzen zu dürfen. Niemand möchte woanders hin, niemand kommentiert das Naturspektakel. “Oui, la belle vie, on est seule, on est libre….” singt es leise in mir. So schön französisch. Kannst du weiter unten mit mir anhören.

Immer näher kommt die Sonne den Bergen der Ardèche.
Die Farben um mich herum werden unbeschreiblich.

Jetzt ist die Sonne nur noch zur Hälfte zu sehen. Stille.

Auf dem Weg, der um die Burgmauer herum führt, läuft ein junges, schickes Pärchen.
Ich denke “Oh wie schön! Sie wollen sich romantisch den Sonnenuntergang ansehen.”

Vielleicht haben sie den Sonnenuntergang auch tatsächlich gesehen, und vielleicht war auch Romantik in ihnen, als er schonmal vorweglief, während sie eine Sekunde stehenblieb, ihr Handy auf den Sonnenuntergang gerichtet, kurzer Display-Check, weitergehen, nochmal abdrücken, Display-Check. Dem Mann hinterher eilen.

Wie geht Achtsamkeit mit dem Handy in der Hand?

“Schade”, denke ich. Und freue mich nochmal über meine Entscheidung, werder Handy noch Kamera mitgenommen zu haben.

Seit dem Erlebnis bin ich sehr achtsam mit der Entscheidung, wann ich mein Handy raushole, um ein Foto zu machen.

Manchmal fühlt es sich gut an, Fotos zu machen.
Manchmal ist es schön, einfach nur in dem einen besonderen Augenblick ganz da zu sein. Mir ist es wichtig, dass ich die Entscheidung dafür bewusste treffe.

Geht es dir auch manchmal so, dass Du Fotos machst, einfach, weil du das Handy halt dabei hast?

Möchtest du aus dem automatischen Griff zum Handy einen bewussten machen?

Dann kannst du dir zum Beispiel diese Frage stellen:
Bevor du losgehst: Möchte ich heute Fotos machen? Was genau möchte ich festhalten? Warum? Was werden mir die Foto bedeuten,
wenn ich sie gemacht habe?

Wenn du unterwegs bist und dich dazu entschieden hast, das Handy mitzunehmen: Wie werde ich mich an diesen Moment
erinnern, wenn es kein Foto davon gibt?
Ist mein Erleben ein anderes/weniger intensives, wenn ich jetzt mein Handy heraushole?

Irgendwann wirst du dir diese Fragen nicht mehr bewusst stellen müssen.
Du wirst einfach spüren, was dir jetzt am besten tut. Und darum geht es ja im Leben 🙂

Wie geht es Dir: Kannst du ganz im Moment aufgehen, wenn du mit der Kamera oder dem Handy unterwegs bist? Erzähl doch mal.


Das Foto oben machte ich an einem sehr frühen Morgen, an dem ich mein
Handy eben doch dabei hatte und dieses Zauberschloss unbedingt nicht nur
in einem inneren Bild mit nachhause nehmen wollte. Das Foto am Ende des
Artikels entstand, als ich eines Abends mit Lotte über das Feld fuhr
und der Sonnenuntergang uns mit seiner Schönheit überraschte. Da war ich glücklich, meine Kamera neben mir auf dem Sitz liegen zu haben.

Deine Kathrin
#glücküberzweifel

 

Sonnenuntergang, Grignan, Drome Provencal, Photographe, Kathrin Stahl

 

Oh la belle vie. On est seule, on est libre. Trallalalaaa ….

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