Ich habe keine Zeit

Keine Zeit zu haben, ist ein vorherrschendes Lebensgefühl. Was macht das mit uns?

„Überall und jeden Tag keine Zeit.“

Keine Zeit. Das war mein Lebensgefühl. Jahrelang. Immer unterwegs. Nicht nur physisch: Wenn mein Körper an einem Ort war, war mein Kopf schon weitergereist.

„Keine Zeit“ ist ein erdrückendes Mangelgefühl.

Kennst du den Satz “Where focus goes energy flows”?
Meine Energie ging Richtung “keine Zeit”.

Ich hatte das Gefühl, sie ständig verteidigen zu müssen und dennoch – heute weiß ich: gerade deshalb (!) – reichte sie nie. Wenn wir lange genug in einem Mangel unterwegs sind, wird er für uns zur Realität.
Meine Realität war mein Zeitmangel.

In mir waren Phrasen unterwegs, die irgendwie zu unserer Gesellschaft zu gehören scheinen.
Zu viel zu arbeiten ist schick.
Keine Zeit zu haben gehört dazu.
Wer Zeit hat, ist verdächtig.

Deshalb spukte in meinem Kopf:

  1. “Dafür habe ich keine Zeit.”
  2. “Ich muss mit meiner Zeit haushalten.”
  3. “Dafür muss ich mir Zeit erkämpfen.”

Was macht es mit uns, wenn wir in diesen Sätzen baden und zulassen, dass sie unser Denken und Fühlen bestimmen? 

Während ich sie aufschreibe, diese Sätze, die wir uns täglich um die Ohren hauen, wird mir ganz eng ums Herz.
Ich sehe vor mir Menschen, die atemlos durchs Leben rennen. Und ich sehe MICH, wie ich das tue. 
“Keine Zeit.” – Wie fühlt sich das an?

Vor einigen Jahren gab es bei mir einen Punkt, an dem ich merkte, dass es so nicht weitergeht:

Als meine Kinder klein waren, arbeitete ich Vollzeit in einem verantwortungsvollen Job einem großen Konzern. 
Mein Job war spannend und ich hatte zu wenig Zeit für meine Kinder. Das wollte ich ändern. 
Um zu lernen, meine Zeit besser einzuteilen, nahm ich an einem Zeitmanagement-Kurs teil. Die Eingangsaufgabe war, uns zu zeichnen, wie wir uns im Bezug auf Zeit sehen. Ich malte ein Strichmännchen, das der Uhr hinterherrennt. 
Dieses Bild löste etwas in mir aus.

Was wäre, wenn wir ganz anders über Zeit denken könnten?
Wenn wir Zeit als das Geschenk behandeln könnten, das sie ist? Und sie auch großzügig an uns selber verschenken würden?

Wie würde sich unser Leben ändern, wenn wir unsere Zeit als Geschenk sehen?

Viele Mediationen, Yogasessions, Bücher, Coachings und Kurse später konnte ich nicht nur denken, sondern spüren: Ich bin eine Zeitkönigin.

Was passiert in dir, wenn du diese Worte jetzt laut aussprichst? “Ich.bin.eine.Zeitkönigin.”

Vielleicht regt sich noch Widerstand. Das ist sogar wahrscheinlich.
Aber wenn du es möchtest, kannst du diesen Satz immer öfter in dein Leben einladen. 

Für mich hat sich mit diesem Satz, mit Meditieren und dank der Pferde alles in Bezug auf Zeit geändert.

Auf “Wie sieht Dein Tag heute aus?” antworte ich jetzt gerne mal: “Heute arbeite ich nur ganz kurz und den Rest des Tages gehe ich mit Lotte spazieren, ich gehe zu meinem Pferd und ich lese mein Buch fertig.” und auf die darauf folgende Reaktion: “Na, DU hast ein Leben.” (Betonung auf dem Du, so ein bisschen in die Länge gezogen. Kennt das hier zufällig jemand?) erwidere ich strahlend: “JA! Ist das nicht einfach herrlich?”

Ich habe alle Zeit, die ich mir wünsche und die kann ich großzügig verschenken.
Es ist nicht so, dass ich plötzlich aufgehört hätte zu arbeiten. ich habe auch nicht den Haushalt an eine plötzlich aufgetauchte Fee delegiert. Nein.

Aber: mein Gefühl, meine Einstellung der Zeit gegenüber habe ich geändert. Ich gehe bewusst mit ihr um.
Wem und welchen Tätigkeiten ich wie viel von meiner Zeit – und damit von mir – schenke, entscheide ich selber.

Ich bin nicht irgendwo. Mit irgendjemandem. Bei irgendeinem Job, bei irgendwelchen Kunden.

Das alles passiert mir nicht einfach, sondern ich habe es bewusst gewählt.
In dieser Wahl steckt Liebe und Zuwendung: Ich bin ganz da!

Für mein Gegenüber. Für das Tun, das mir heute am Wertvollsten erschien. Für mich. Für die Menschen um mich herum.

Danke für Deine Zeit!
Mit diesem Bewusstsein kann ich umso dankbarer wahrnehmen, wenn andere Menschen MIR IHRE Zeit schenken.
Meine Familie. Meine Freunde. Meine Kunden. Du mit dem Lesen dieses Posts. Danke!

Mir selber mache ich jetzt häufig ein großes Geschenk: Zeit mit mir. Ganz allein.
“Un rendez-vous entre moi et moi“, wie meine Nachbarin in Frankreich es liebevoll nannte. 
Zum Beispiel zum Tanzen zu Natalie Cole.

Wer bist du, wenn deine Zeit ein Geschenk ist?
Ich wünsche dir Raum für diese Frage und ein mutiges Lauschen.

Deine Kathrin
#glücküberzweifel
#momentesucherin



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